– Langhaarcollie Nachrichten –  


Merkblatt MDR 1 zum Herunterladen und Ausdrucken
Gesundheitsbogen


Liebe Colliezüchter und Besitzer,

während der Diskussion um MDR1 haben sich viele von Ihnen gemeldet und von Ihren gesunden, alten Collies berichtet.

Um über die Gesundheit und den MDR1-Status der Collie-Veteranen eine wissenschaftlich belegbare Aussage machen zu können, möchten wir mit Ihnen zusammen daher eine Untersuchung der Collie-Veteranen im CfBrH durchführen.

Auf diese Weise erhalten wir neben der MDR1-Statuserhebung für die in der Zucht befindlichen Hunde weitere Informationen, die wir zur Argumentation in der Öffentlichkeit, aber auch zur Beachtung bei möglichen zuchthygienischen Maßnahmen nutzen können.

Nehmen Sie bitte mit Ihren im Zuchtbuch des CfBrH eingetragenen acht Jahre und älteren Collies an unserer Gesundheitsaktion teil!

Der Club  übernimmt lediglich die MDR-1-Laborkosten bei unserem Partnerlabor bis zu einem definierten Gesamtbetrag für Hunde, die 8 Jahre und älter sind und nur im Zusammenhang mit einem vom Tierarzt ausgefüllten Gesundheitsbogen.

Sie müssen im CfBrH gezüchtet worden sein (auch Liebhaber, Welpenkäufer usw.), das heißt es müssen keine Clubmitglieder sein.

 Kosten für die Blutentnahme und das Ausfüllen des Gesundheitsbogens durch den Tierarzt  werden vom CfBrH  nicht erstattet.

Ältere Untersuchungsergebnisse v. Laboklin oder Giessen können nachgemeldet werden (z. B. verstorbene Hunde) und werden anerkannt.

Liebe Züchter, treten Sie bitte auch an die Besitzer Ihrer Veteranen heran und überzeugen Sie sie davon, dass diese Informationen wichtig für die gesamte Rasse sind !

Der Gesundheitsbogen kann als PDF-Datei von der Homepage des CfBrH heruntergeladen werden.

Schicken Sie bitte den ausgefüllten Gesundheitsbogen und bei schon getesteten Collies auch eine Kopie des Untersuchungsbefundes an die Zuchtbuchstelle:

Frau Heike Dette, Bundesstr.31, 38312 Börßum OT Seinstedt

Den MDR1-Untersuchungsbogen fordern Sie bitte von der Zuchtbuchstelle als PDF-Datei bzw. per Post  an !

Diese Maßnahme beginnt ab sofort  und ist bis zum 29.02.2012 begrenzt b.z.w. wenn das vorgesehene Budget aufgebraucht ist.

Zusammen mit Ihnen hoffen wir, auf diese Weise eindrucksvoll bestätigen zu können, wie vital und langlebig unsere Rassen Collie Kurzhaar und Collie Langhaar tatsächlich sind!

Wir bitten um rege Teilnahme und danken Ihnen für Ihre Mithilfe!




Peine, 25.10.2009

Liebe Colliefreunde,

nachdem das Amt des Rassebetreuers der Rasse Collie Langhaar seit geraumer Zeit nicht besetzt war und auch kein Stellvertreter zur Verfügung stand, habe ich mich bereit erklärt, dieses Amt kommissarisch bis auf Weiteres zu übernehmen, damit gerade in der MDR1 – Diskussion die Rasse Collie in der Innen- und Außenwirkung entsprechend vertreten wird.

Es ist sehr bedauerlich, dass der Ruf unserer liebevollen Rasse Schaden genommen hat und unter den Colliezüchtern eine große Verunsicherung entstanden ist. Sicherlich hatte sich niemand etwas Böses dabei gedacht, als wir vor ca. gut drei Jahren den ersten  Aufforderungen der Uni Gießen folgten, Blutproben unserer Collies zwecks eines MDR1 – Gentest einzuschicken. Wusste man doch bereits seit vielen Jahren, dass Collies und zum Teil auch artverwandte Rassen empfindlich auf den Wirkstoff Ivermectin reagierten, so sollte nun der Grund in einer genetischen Mutation des Gens MDR1, des Gens, welches  für die Blut-Hirn-Schranke zuständig ist, begründet sein. Um Gewissheit und noch mehr Informationen darüber zu gewinnen, haben wir auch gerade als Colliefreunde dieses wissenschaftliche Interesse auch mit den Test unserer Collies unterstützt. Gern kamen wir entsprechenden Aufrufen im Sinne der Wissenschaft und Forschung nach, denn wir wollten bezüglich der entsprechenden Medikamentensensibilität Klarheit haben. Niemand von uns dachte zu diesem Zeitpunkt wohl daran, Lobbyismus und Monopolismus zu fördern oder Bestimmungen zu schaffen, die unsere züchterische Freiheit einschränken sollten. Schon gar nicht war uns daran gelegen, dass  MDR1 – Kampagnen im Internet den Ruf der Rasse Collie beschädigen. Ich möchte niemandem unterstellen, dass vorsätzlich oder eigennützig solche Kampagnen initiiert wurden, man hat wohl die Folgen ganz einfach unterschätzt. Die Rufschädigung, die den Collies dadurch zugefügt wurde, ist wohl schwerlich wieder gut zu machen. Unser Ziel muss es erstmal sein, den Ruf des Collies, als gesunde und widerstandsfähige Rasse mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 14 Jahren in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. Darüber hinaus sollten wir ein mehrjähriges Screening mit den Zuchthunden durchführen und dieses wissenschaftlich begleiten. Ob eine Meidezucht auf MDR1 -/- möglich und notwendig ist, sollte an weitere wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse geknüpft sein.
Nach bisheriger These hat sich diese Genmutation über zwei Jahrhunderte in der Kynologie gehalten und verbreitet, ohne dass gesundheitliche Schäden aufgetreten sind.

Hier eine Zusammenfassung der für uns interessanten wissenschaftlichen Ergebnisse zweier Untersuchungen von Dr. Mark Neff von der Universität von Kalifornien und seinen Kollegen aus den Jahren 2001 und 2004 zur Verbreitung und genetischen Variationen der MDR1-Mutation (übersetzt und zusammengefasst von Sarah Boyd):

Mark Neff und Kollegen untersuchten über hundert Hunderassen auf MDR1-Mutationen im Genom und sind dabei auf über 10 verschiedene Varianten der MDR1-Mutation gestoßen. Basierend auf diesen verschiedenen Varianten und deren relativer Häufigkeit in den einzelnen Rassen konnten die Forscher berechnen, dass die ersten MDR1-Mutationen zwischen 1400 und 1700 aufgetreten sein müssen und danach durch Verpaarungen zwischen den damals noch gar nicht etablierten Rassen verbreitet wurden.
Interessanterweise tritt die MDR1-Mutation heute in den Stichproben der Forscher in gleichem Maße bei englischen und amerikanischen Collies auf.
Insbesondere weisen die Forscher auf einen vermuteten Zusammenhang zwischen der MDR1-Mutation und der Langhaarigkeit hin, was beim Shetland Sheepdog und beim Lomghaired Whippet zu einer Konzentration auf einen bestimmten Typ der MDR1-Mutation führte. Ein überraschendes Ergebnis der Studie war, dass einzelne Sighthound-Rassen (auf Sicht jagende Jagdhunde) ebenfalls von der MDR1-Mutation betroffen sind. Neff und Kollegen folgern daraus Verpaarungen zwischen den Rassen noch im 20. Jahrhundert.
Bezogen auf den Zusammenhang zwischen MDR1-Mutation und Ivermectin-Sensitivität weisen Neff uns Kollegen darauf hin, dass trotz bestätigter Ivermectin-Sensitivität bei den Rassen Border Collie, Bearded Collie und Australian Cattle Dog bislang keine MDR1-Mutationen entdeckt wurden, und dass Medikamenten-Unverträglichkeit in den seltensten Fällen auf ein einzelnes Gen zurückgeführt werden kann. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass auch bei heterozygot betroffenen Collies wissenschaftliche Belege über Medikamenten-Unverträglichkeiten vorliegen.
Doch was den einen Medikamenten ein Fluch, kann den anderen ein Segen sein: Bei MDR1 (-/-)-Hunden können Krebsgeschwüre besser medikamentös behandelt werden, weil die Krebsmedikamente leichter in den Tumor eindringen und dort wirken können.
Abschließend empfehlen die Wissenschaftler, zunächst die Tierärzteschaft aufzuklären und vor einer Therapie mit Ivermectin oder vergleichbaren Medikamenten einen MDR1-Gentest zu verlangen. Gleichzeitig warnen sie wegen der starken Verbreitung der MDR1-Mutation bei den Collies vor übereilten Zuchtprogrammen, die viel schwerwiegendere Folgen für die Gesundheit unserer Rasse haben können: Selbst wenn nur bei 10% einer Rasse die Mutation (rein oder mischerbig) vorliegen würde, müsste man über mehrere Generationen daran arbeiten, den Genpool nicht zu sehr einzuengen.


Neuere aussagekräftige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es bis heute darüber hinaus noch nicht. Somit sollte mit dem Thema MDR1 weiterhin seriös und ohne Panik umgegangen werden. Übereilte Zuchtmaßnahmen sind absolut unnötig, den die MDR1 – Genmutation gibt es seit einigen Hundertjahren.

In Kürze werden wir ein Aufklärungsblatt über problematische Arzneimittel und entsprechende Ersatzarzneimittel herausgeben.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Claus-Peter Fricke

komm. Rassebetreuer Collie Langhaar




Letzte Aktualisierung:
03.11.2011